Schnupperflug im September

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Im September, an einem dieser spätsommerlichen Tage, an denen der Himmel über Vorarlberg wie frisch poliert wirkt, stand ein ganz besonderer Termin im Kalender: ein Schnupperflug für einen Kollegen und seine Partnerin. Schon am Morgen zeichnete sich ab, dass es perfektes Flugwetter werden würde – klare Luft, kaum Thermik, nur ein leichter Wind aus westlicher Richtung. Die Fernsicht war außergewöhnlich gut, die Gipfel scharf konturiert, der Bodensee glitzerte silbern im Sonnenlicht.

Treffpunkt war der Flugplatz Hohenems. Nach einer kurzen Begrüßung folgte die Einweisung: Sicherheitsbriefing, Verhalten am Rollfeld, Erklärung der wichtigsten Instrumente im Cockpit. Für beide war es der erste Flug in einem Kleinflugzeug – entsprechend groß war die Mischung aus Vorfreude und respektvollem Staunen. Besonders beeindruckte sie die Nähe zum Geschehen: keine anonyme Kabine wie im Linienflug, sondern unmittelbares Erleben von Start, Steigflug und Navigation.

Nach dem Einsteigen, Anschnallen und dem Engine-Run-up rollten wir zur Piste. Der Funk war ruhig, beste Bedingungen. Mit sanfter Beschleunigung setzte das Flugzeug zum Start an. Schon nach wenigen Sekunden lösten sich die Räder vom Asphalt – ein Moment, der bei Erstfliegern regelmäßig für ein spontanes Lächeln sorgt. Der Blick weitete sich, Hohenems wurde kleiner, das Rheintal öffnete sich wie eine Karte unter uns.

Wir drehten zunächst Richtung Norden zur Bregenzer Bucht. Der Bodensee präsentierte sich in beeindruckender Klarheit, die Uferlinien sauber erkennbar, Segelboote als kleine weiße Punkte auf dem Wasser. Bregenz selbst lag ruhig unter uns, die Seebühne deutlich sichtbar. In dieser Höhe – etwa 3.000 bis 4.000 Fuß – wirkt die Landschaft strukturiert und doch weitläufig. Die Gäste waren sichtlich begeistert und zückten immer wieder das Smartphone für Fotos, auch wenn kein Bild die tatsächliche Perspektive vollständig einfangen kann.

Von der Bregenzer Bucht aus ging es weiter in die Bergwelt. Das nächste Ziel: das Ifen-Massiv. Der markante Tafelberg ragte imposant aus der Landschaft, seine hellen Kalkformationen kontrastierten stark mit den umliegenden Wiesen und Wäldern. Bei dieser klaren Sicht war selbst die Struktur der Felswände gut zu erkennen. Wir hielten respektvollen Abstand und umrundeten das Gebiet mit ausreichender Höhe – eine Perspektive, die man selbst als geübter Wanderer so nie erlebt.

Weiter führte uns die Route über das Hochplateau des Gottesackers. Die bizarren Karstformationen wirkten aus der Luft fast surreal, wie eine steinerne Mondlandschaft. Die beiden staunten über die Formenvielfalt und die scheinbare Unberührtheit dieser Region. Hier oben wurde deutlich, wie klein menschliche Strukturen im Vergleich zur Natur sind.

Anschließend drehten wir Richtung Damüls. Die bekannten Skihänge waren im spätsommerlichen Grün zu sehen, Liftanlagen klar erkennbar, aber eingebettet in eine friedliche Berglandschaft ohne Wintersportbetrieb. Das Licht stand inzwischen etwas tiefer, wodurch die Konturen noch plastischer wirkten. Über das Große Walsertal hinweg nahmen wir Kurs auf Feldkirch. Die Altstadt mit ihrer kompakten Struktur und der Schattenburg war gut sichtbar – ein weiteres Highlight auf dieser 50-minütigen Tour.

Während des gesamten Fluges herrschte eine angenehme Ruhe. Kaum Turbulenzen, stabile Luftmassen – ideales Schnupperflugwetter. Immer wieder erklärte ich die Orientierungspunkte, zeigte auf markante Täler, Gipfel und Ortschaften. Besonders faszinierte die beiden, wie schnell man von einem bekannten Ort zum nächsten gelangt – Strecken, die am Boden oft eine Stunde Fahrzeit bedeuten, vergehen in der Luft in wenigen Minuten.

Nach rund 45 Minuten leiteten wir den Rückflug nach Hohenems ein. Der Sinkflug erfolgte ruhig und gleichmäßig, mit weiter hervorragender Sicht ins Rheintal. Beim Anflug zur Piste aus Richtung Feldkirch war noch einmal der gesamte Talboden unter uns ausgebreitet – ein letzter Panoramablick. Die Landung selbst verlief sanft und kontrolliert. Mit leichtem Abfangen setzte das Flugzeug nahezu unmerklich auf dem Asphalt auf – ein sauberer Abschluss dieses besonderen Erlebnisses.

Nach dem Ausrollen und dem Abstellen des Motors herrschte für einen Moment stille Zufriedenheit. Dann brach die Begeisterung durch: strahlende Gesichter, viele Eindrücke, sofortige Nachbesprechung jedes einzelnen Abschnitts. Für meinen Kollegen und seine Partnerin war es nicht nur ein Flug, sondern eine neue Perspektive auf ihre Heimat. Vorarlberg aus der Luft zu erleben – mit Bregenzer Bucht, Ifen, Gottesacker, Damüls und Feldkirch in einem kompakten Panorama – hinterließ bleibenden Eindruck.

Ein perfekter Septembertag, 50 Minuten Flugzeit, herrliche Sicht und eine sanfte Landung in Hohenems – besser hätte ein Schnupperflug kaum verlaufen können.

Redaktion

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