Steilkurve über der Ast West

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Der August zeigte sich von seiner besten Seite, als zwei Kollegen aus meiner Dienststelle ihren lang geplanten Schnupperflug antraten. Schon beim Eintreffen am Flugplatz Hohenems war klar: Das wird ein idealer Tag für einen Flug über Vorarlberg. Die Luft war klar, der Himmel nahezu wolkenlos, die Fernsicht außergewöhnlich. Solche Bedingungen bekommt man nicht jeden Tag – stabile Hochdrucklage, kaum Thermik, ruhige Verhältnisse. Perfekt für einen rund 50-minütigen Rundflug über einige der markantesten Punkte der Region.

Nach einer kurzen, sachlichen Einweisung – Sicherheitsregeln, Verhalten im Cockpit, grundlegende Instrumente – ging es direkt zur Maschine. Für beide war es der erste Flug in einem Kleinflugzeug. Entsprechend konzentriert, aber mit sichtbarer Vorfreude, nahmen sie Platz. Anschnallen, Headsets aufsetzen, kurzer Funkcheck. Der Motorlauf klang sauber, alle Anzeigen im grünen Bereich. Nach dem Run-up rollten wir zur Piste.

Der Start verlief kraftvoll und ruhig zugleich. Beschleunigen, Rotationsgeschwindigkeit, sanftes Ziehen am Steuer – und schon löste sich das Flugzeug vom Asphalt. Unter uns wurde Hohenems kleiner, das Rheintal öffnete sich in voller Breite. Dieses unmittelbare Erleben von Start und Steigflug beeindruckt jeden beim ersten Mal – hier ist man nicht Passagier, sondern mittendrin im Geschehen.

Wir nahmen zunächst Kurs Richtung Norden zur Bregenzer Bucht. Der Bodensee lag ruhig da, spiegelte das Sonnenlicht und wirkte fast mediterran. Die Uferlinie war klar erkennbar, Bregenz mit der Seebühne deutlich auszumachen. Von oben sieht man Zusammenhänge, die am Boden verborgen bleiben – Verkehrswege, Siedlungsstrukturen, die Form der Bucht selbst. Die beiden Kollegen waren sichtlich beeindruckt von dieser Perspektive. Kein Vergleich zu einem Linienflug in Reiseflughöhe – hier ist man tief genug, um Details zu erkennen, aber hoch genug, um das große Ganze zu erfassen.

Von der Bregenzer Bucht aus drehten wir zuerst Richtung Kempten und danach übers Kleinwalsertal in Richtung Bergwelt. Das Ifen-Massiv trat bald markant ins Blickfeld. Der helle Kalkstock mit seiner charakteristischen Form wirkte aus der Luft noch imposanter. Bei der klaren Sicht waren selbst Strukturen und Brüche im Gestein deutlich erkennbar. Wir hielten ausreichenden Sicherheitsabstand und umrundeten das Gebiet in angenehmer Höhe. Beide staunten über die Dimension dieses Berges – vom Tal aus wirkt vieles groß, aus der Luft bekommt man ein neues Verständnis für Relief und Topografie.

Weiter ging es über das Gottesackerplateau. Die Karstlandschaft präsentierte sich wie ein steinernes Labyrinth. Die zerfurchten Flächen und Dolinen wirkten fast surreal. Gerade aus dieser Perspektive erkennt man, wie besonders diese Region geologisch ist. Die ruhige Luft sorgte für einen nahezu vibrationsfreien Flug – ideal, um in Ruhe zu beobachten und die Eindrücke aufzunehmen.

Anschließend nahmen wir Kurs Richtung Schröcken. Das Hochtal lag ruhig da, die Straßen zogen sich wie feine Linien durch die Landschaft. Die spätsommerlichen Farben verliehen der Szenerie zusätzliche Tiefe. Hier oben spürt man die Weite. Keine Hektik, kein Lärm – nur klare Bergluft und der gleichmäßige Klang des Motors.

Es ist immer wieder beeindruckend, wie schnell man in der Luft Distanzen überbrückt, die am Boden deutlich länger dauern würden. Die Kollegen verfolgten aufmerksam die Navigation, ließen sich Orientierungspunkte erklären und stellten gezielte Fragen – echtes Interesse, kein bloßes Mitfliegen.

Während des gesamten Fluges herrschten stabile Bedingungen. Kaum Turbulenzen, saubere Luft, exzellente Sicht. Solche Tage zeigen, wie angenehm und präzise Fliegen sein kann. Die Maschine reagierte ruhig und direkt, die Landschaft zog gleichmäßig unter uns vorbei.

Zum Schluß flogen wir noch in einem weiten Bogen über Feldkirch. Die Stadt war gut zu erkennen, die kompakte Altstadtstruktur mit der Schattenburg als markanter Orientierungspunkt und abschließend eine Steilkurve mit beinahe senkrechtem Blick durchs Seitenfenster direkt hinunter auf unsere Dienststelle.

Nach rund 45 Minuten leiteten wir den Rückflug nach Hohenems ein. Der Sinkflug erfolgte kontrolliert und gleichmäßig. Noch einmal breitete sich die gesamte Talebene vor uns aus – ein Panorama, das man so nur aus der Luft erlebt. Im Gegenanflug auf Hohenems war die Piste klar zu erkennen. Geschwindigkeit reduzieren, Landeklappen setzen, sauberer Endanflug.

Die Landung selbst war ruhig und präzise. Ein sauberes Abfangen, (fast) sanftes Aufsetzen, kurzes Ausrollen – genau so, wie man es sich wünscht. Keine Hektik, keine Überraschungen. Ein souveräner Abschluss eines eindrucksvollen Rundflugs.

Nach dem Abstellen des Motors war die Stimmung eindeutig: Begeisterung. Die beiden Kollegen waren beeindruckt von der Kombination aus Technik, Natur und Perspektive. Besonders die klare Sicht, das Panorama über Bregenzer Bucht, Ifen, Gottesacker, Schröcken und Feldkirch sowie die Ruhe in der Luft hatten Eindruck hinterlassen.

50 Minuten, die schnell vergangen sind – aber nachhaltig wirken. Ein Schnupperflug, der gezeigt hat, wie intensiv man die eigene Region erleben kann, wenn man sie aus 3.000 bis 9000  Fuß Höhe betrachtet. Und ein Tag, der deutlich gemacht hat: Fliegen ist nicht nur Fortbewegung, sondern Erlebnis, Konzentration und Faszination zugleich.

Redaktion

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